Archiv für Lebkuchenmesser

Bullen, Nazis, Idioten: Update zum „Fall Mannichl“

Posted in Aktuelles, Antifa with tags , , , , , , , , , , , , on 31. Dezember 2008 by Thiazi Watch


Der „Fall Mannichl“ (wir berichteten) entwickelt sich vom medialen Winterlochthema zu einer Peinlichkeit erster Güte. In bürgerlichen und antifaschistischen Medien wird noch über die Verhinderung einer für den 3. Januar geplanten Nazi-Demo debattiert, während gleichzeitig immer unklarer wird, ob denn der allseits beliebte (*Ironie!*) Hardliner-Cop sich das Lebkuchenmesser nicht vielleicht doch selbst in den Bauch gepiekst hat, um seinen Bullenkumpels das repressive Vorgehen gegen „Extremisten“ jeglicher Coulör zu erleichtern. Jedenfalls fehlt von dem angeblich glatzköpfigen, zwei Meter langen und mehrfach gesichtstätowierten Nazi-Täter nach mehrwöchiger intensiver Fahndung durch eine eigens eingerichtete 50 BullettInnen starke Soko jede Spur. Wenn nicht bald eine solche Spur auftaucht oder der Nazi-Hintergrund des Anschlags klar erwiesen wird, machen sich sämtliche Initiativen, Medien, Parteien, Politiker, die den „Fall Mannichl“ von der ersten Sekunde an medial auszuschlachten versucht haben (etwa in Richtung NPD-Verbot) in einem Mass lächerlich, dass mensch wohl von einem irreparablen Schaden für den Kampf gegen Rechts sprechen muss.

Die Nazis kringeln sich offenbar auch schon vor Amüsement, prima zu sehen in der digitalen Nazi-Spelunke „Thiazi-Forum“: genauer gesagt in dem schon erwähnten thread „Passau: Polizeichef verletzt – Täter (?) angeblich „Neonazi“„.

Dort schreibt vor 2 Tagen ein gewisser „Nussknacker“ hämisch über die an Hysterie grenzende Medienberichterstattung:

Die Masse läßt sich nach wie vor an der Nase herumführen und die Lohnschreiber spielen ihre Rolle als „unbestechliche Wächter“ der Demokratie ja auch mit Herzblut, aber immer weniger denkende Menschen fallen darauf herein.

Mittlerweile reicht das Mißtrauen doch schon bis weit in die „bürgerliche Mitte“. Die guten Zeiten für willige Mitläufer in den Redaktionen gehen auch langsam zu Ende. Man braucht keine qualifizierten, vielseitig gebildeten denkenden Menschen mehr. Volontäre und freie Hilfskräfte können den Job genauso gut und wesentlich billiger erledigen.

Da kommt langsam Panik auf und die nächste Journalistengeneration wird von den Privilegien und finanziellen Wohltaten, die heute noch tarifvertraglich abgesichert sind nur noch träumen können – ganz gleich wie sehr die sich erniedrigen und wie beflissen die Speichel lecken.

Ein anderer Spassvogel namens „Kuckucksklan“ delektiert sich:

Wer weiß, was da wirklich war – vielleicht im Suff beim Kartoffelschälen ausgerutscht un dann müssen die Braunen dafür büßen…

Derweilen feixt der psychologisch dringend betreuungsbedürftige Nazi-„Betreuer“ „Perversist„, bezugnehmend auf ein Foto, auf dem Bullen der „Soko Fürstenzell“ bei der Arbeit zu sehen sind:

Wenigstens sehen die Beamten auf dem Foto so aus, als ob sie bei ihrer Arbeit eine Menge Spaß hätten. SoKo Mannichl = Raus aus dem Alltagstrott, weg vom harten Tagesgeschäft in Ausländerghettos und kriminellen Milieus, rein in die bizarre, schaurig-schöne Welt der Schlangen- und Kreuznazis, der mysteriösen Lebkuchenkiller und blitzartig genesenden Mannichl-Robocops …

Anerkennend zitiert wird von den Nazis die „Augsburger Allgemeine“:

Mannichl war am 13. Dezember vor seinem eigenen Haus niedergestochen worden. Der Polizeichef beschrieb den Täter als kahlköpfigen, großen Mann mit einer auffälligen Tätowierung. Doch trotz intensiver Fahndung der 50-köpfigen Sonderkommission „Fürstenzell“ gibt es bislang keine Spur. Stattdessen drängen sich Fragen auf:

Warum kann der erfahrene Polizeibeamte Mannichl keine bessere Beschreibung des Täters liefern oder ein Phantombild anfertigen, obwohl der ihm eine ganze Zeit lang gegenüberstand?
Warum hat Mannichl sich nicht gewehrt gegen einen Angreifer mit Messer, der erst noch zwei längere Sätze aufsagt?
Warum greift ein Attentäter zu einem Küchenmesser, das zufällig auf einer Fensterbank neben dem Eingang liegt und benutzt nicht eine eigene Waffe?
Und warum wusste der Angreifer überhaupt, dass das Messer aus dem Haushalt Mannichl dort liegt?

Fragen, auf die es keine Antworten gibt. Ja, es gibt bisher noch nicht einmal den Versuch einer Erklärung seitens der Ermittler.

Link.
Vgl. auch Altermedia.

Besonders aufschlussreich ist ein statement von Rassistenpapst Agrippa„, in dem sich leider deutlich bewahrheitet, wovor wir bereits in unserem oben verlinkten Artikel gewarnt hatten: Der Schulterschluss zwischen Nazis und Bullen, über den auch der Mannichl-Hype nicht hinwegtäuschen kann:

Ich möchte hier auch darauf hinweisen, dass ich von einer allgemeinen Diffamierung der deutschen Polizei überhaupt nichts halte, denn letztlich sind alle Polizeibeamten auch nur Menschen, die ihrem Beruf nachgehen, die Mehrheit aus achtbaren Gründen. Beurteilen kann man hier nur jeden einzelnen für sich, als Menschen und Person, wie er mit seiner Machtbefugnis und Verantwortung umgeht. Es ist in meinen Augen hochgradig kontraproduktiv, wie es manche hier schon taten, die Polizei „zum Feind zu erklären“.

Auch wer negative Erfahrungen bei Demonstrationen oder Hausdurchsuchungen und dergleichen machen musste, sollte sich bewußt bleiben, dass es sich hier oftmals um spezielle Kommandos handelt oder Beamte, die man absichtlich solange gefrustet in Reih und Glied stehen ließ, bis sie auf jede Provokation mit Gewaltexplosionen reagierten – in dem man ihre menschlichen Schwächen ausnutzte. Das ganze Spiel, welches man hier so oft im Zusammenhang mit Demonstrationen beschrieben bekommt, hat doch Methode und soll sowohl die Polizeibeamten, wie die rechtsorientierte Fundamentalopposition dazu bringen, gegeneinander vorzugehen, sich „zu hassen“.

Wer dem nachgibt – auf beiden Seiten – der spielt nur dem manipulativen und ausbeuterischen liberalkapitalistischen System in die Hände, welches jede qualitative Fundamentalopposition stigmatisieren und die Ordnungshütern zu willigen Vollstreckern des politischen Unrechts degradieren möchte.

Auf die Pressemeldung „“Gewaltbereite Neonazis greifen zunehmend Polizisten an. Das ist eine neue Strategie““ antwortet „Agrippa“:

Falsch. Das ist die Strategie der politischen Manipulatoren, welche dem deutschen Volk das Erkennen der ureigenen Interessen verunmöglichen möchte. Leider ist diese Strategie der ständigen Provokationen, auch durch eingesetzte Agenten und Provokateure „in den rechten Reihen“ und einer von langer Hand geplanten ansteigenden Gewaltspirale zum Teil aufgegangen, aber davon darf man sich nicht täuschen lassen, denn genau das war beabsichtigt um jeden Schulterschluss zwischen Polizeikräften und Konservativen mit der rechten Fundamentalopposition zu verunmöglichen, nichts anderes war der Zweck dieser Dauerprovokationen, die ihn gezielter Gewalt innerhalb und geistiger Entfremdung dieser deutschen Kräfte gipfeln sollten.

http://forum.thiazi.net/showpost.php?p=1411838&postcount=764

Mit querfrontlerischem Vokabular, verschwörungstheoretischen Untertönen und unterschwelliger Anbiederung an Bullen, System und ‚brav ihren Dienst tuende‘ Beamte wirbt man also in Nazi-Kreisen mittlererweile wieder um die Sympathie der kleinen und grossen Mannichls. Eine solche Strategie droht umso mehr zum erfolg zu werden, als nun, nach der Peinlichkeit des Falls Mannichl ein backlash zugunsten der Nazis zu erwarten ist. Es muss nicht erwähnt werden, dass diese Nazi-Strategie in jeder Hinsicht gefährlicher ist als jede beliebig grosse Horde glatzköpfiger Lebkuchenmesserstecher aus der multimedialen twilight zone.

Die Übersteigerte Mannichelei der bürgerlichen Presse und leider auch etlicher linker/antifaschistsicher Gruppen und Parteien hat aber noch einen anderen unangenehmen Nebeneffekt. Sie drängt andere Fälle rechter Gewalt in den Hintergrund. Wer will nach der peinlichen Geschichte mit dem Lebkuchenmesser schon noch etwas von wirklichen Nazi-Opfern wissen? Z.B. von Thorsten Lamprecht …?

25. Dezember 2008

Zur Nazi-Attacke in Passau

geschrieben von Antifaschistische Linke Berlin

Seit dem am 13.12.08 in Passau ein Polizeichef von vermutlich Neonazis attackiert wurde, sprechen Medien, Politik und Polizei von einer „neuen Qualität“ neonazistischer Gewalt. Neue Qualität? Eine „neue Qualität“ hat höchstens der berechtigte Ermittlungseifer der Poliizei erreicht. Eine 20köpfige Sonderkommission sucht die Angrifer, der Polizeichef hat das Krankenhaus Ende Dezember verlassen. Niemand sucht mehr nach den Mördern von Thorsten Lamprecht, der 1997 von Nazis in Magdeburg ermordet wurde.

Seit 1990 wurden rund 150 Personen von Neonazis ermordet. Die BRD-Regierung spricht jedoch nur von 40 Morde. Allein im Jahr 2008 fünf Menschen: Info. Bei zahlreichen Überfällen und Morden auf weniger prominente Opfer blieben die Täter unbekannt oder wurden Angeklagte zu lächerlichen Strafen verurteilt.

Link.

Erwähnenswert ist noch, was in Richtung der Nazi-Demo in Passau geplant ist. Manche Stimmen aus dem braunen Sumpf meinten da etwas von einer neuauflage des infightings zwischen NPD und „Freien“ unken zu müssen. Nazi-Multifunktionär Christian Worch stellt das richtig und schreibt in dem besagten Thread im Thiazi-Forum:

Zum Beitrag von @ vorndran:

Gemach mit der Kritik. Weder parteifreie Kräfte in Bayern noch ich haben in dieser Sache Grund, uns über die NPD zu beschweren. Fakt ist folgendes:

Am 18. Dezember kam der Gedanke auf, eine Protestdemonstration durchzuführen. Ein prominenter parteifreier Aktivist aus Bayern kontaktete diverse NPD-Verbände aus der Region bis hin zum Landesverband. Alle stimmten zu und sagten Mitwirkung bzw. Unterstützung zu. Daraufhin wurde die Demonstration am 20. Dezember angemeldet. Wegen gesetzlicher Bestimmungen durfte erst drei Tage später dafür geworben werden. Daß die NPD sich mit der Werbung ein wenig mehr Zeit ließ (Verlinkung auf der Landesseite Bayern bzw. ab heute Wiedergabe des Aufrufs auf der Bundesseite), liegt daran, daß eine Partei nun mal ein wenig bürokratischer ist als parteifreie Aktivisten. Das ist ein allgemeines Problem und kann der NPD im vorliegenden Fall nicht zum Vorwurf gemacht werden.

Der Parteijustitiar Frank Schwerdt wurde in dieser Sache noch nicht persönlich kontaktet, weil seine Hilfe nicht nötig ist. Würde ich seine Hilfe brauchen, würde mir diese zweifellos zur Verfügung stehen, genauso, wie umgekehrt ich ihm helfe, wenn dies erforderlich ist und eine entsprechende Frage oder Anforderung von ihm kommt. Wir stehen insbesondere in versammlungsrechtlicher Hinsicht in regelmäßígem Informationsaustausch.

Ein norddeutscher Landesvorsitzender hat mir ungefragt, also von sich aus, finanzielle Unterstützung für den Fall angeboten, daß das Verfahren gegen das Verbot scheitern sollte. Ich habe keine Zweifel, daß auch andere NPD-Verbände diesbezüglich mithelfen würden, wenn es nötig wäre. Ich gehe aber davon aus, daß der Rückgriff auf diese freundlichen Hilfsangebote gar nicht notwendig sein wird, weil ich annehme, daß wir das Verfahren gewinnen werden.

Wie ich schon in der Kommentarspalte von Altermedia dargelegt habe: Zumindest Teile der NPD in Bayern sind von der Repressionswelle auch betroffen. Vielleicht nicht so spektakulär wie einige parteifreie Kameraden, aber sie sind durchaus auch betroffen. Die NPD insgesamt ist ebenfalls betroffen, weil der Fall Mannichl – inzwischen von dem konkreten Fall losgelöst – mal wieder eine der zyklischen Diskussionen über ein NPD-Verbot losgetreten hat.

Gerade weil ich als Parteikritiker (und damit auch speziell Kritiker der NPD) bekannt bin, lege ich Wert darauf, daß die NPD nur da kritisiert wird, wo dies angemessen und begründet ist. In diesem Fall ist bis auf die erwähnte bürokratische Schwerfälligkeit der NPD keine Kritik angemessen.

Grüße
Christian Worch

Link.

D.h. die Sache ist durchaus ernst zu nehmen, auch wenn Worchs langatmiges gesabbel natürlich einige Risse in der braunen Einheitsfront notdüftig zu übertünchen versucht. Es sieht aber vorerst doch so aus, als ob NPD und „freie Kräfte“ hier tatsächlich wieder gemeinsam agieren könnten. Der dämliche Fall Mannichl hat also noch einen weiteren unbeabsichtigten Effekt: Er schweisst die rechte Szene zusammen.

Sofern sich die Aktion nicht noch rechtlich verhindern lässt, wird mit einem massiven Nazi-Aufgebot in Passau zu rechnen sein (background: http://npd-blog.info/?p=2604).

Schwarz-Braun ist die Haselnuss: Der Medien-Hype im „Fall Mannichl“ und die Folgen

Posted in Aktuelles, Antifa with tags , , , , , , , , , , , , on 16. Dezember 2008 by Thiazi Watch
Amigos gegen Rechts? - Horst Seehofer und Parteigenosse.

Amigos gegen Rechts? - Horst Seehofer und Parteigenosse.

Nachdem wir schon zeitnah über die (Kommentare im Thiazi-Forum zur Nazi-Terroraktion in Passau) berichtet hatten, haben jetzt auch die nicht-alternativen Medien (mit Verspätung) nachgezogen und ihrerseits über das Nazi-Forum und die dortigen Diskussionen zum „Fall Mannichl“ berichtet. In Österreich kam sogar im TV (ORF) ein News-Feature, in Deutschland nahm sich die Süddeutsche Zeitung des Themas an. Ob da jemand vorher auf Thiazi Watch geklickt hatte? ;-).

Das ORF-feature kann man sich hier reinziehen.

Die SZ zitiert das gleiche Posting wie das ORF aus dem auf Thiazi Watch bereits kontrovers diskutierten Thread im Thiazi Forum und noch ein weiteres dazu:

15.12.2008 12:13 Uhr

Neonazis: Attentat auf Passaus Polizeichef
Was läuft in Traudl’s Café?

In der rechtsextremen Szene feiert man im Netz das Attentat auf den Passauer Polizeichef als Erfolg. So schreibt im „Thiazi-Forum“ ein Nutzer, der sich „antisem“ nennt: „Wieder einer dieser Möchtegernwiesenthals…schön das er die Früchte seiner Arbeit zu schmecken bekommt….Ob nun Nazis oder nicht….den Falschen wird es wohl kaum getroffen haben!!!“

Der Anschlag findet mittlerweile auch internationale Beachtung: Im extremistischen amerikanischen Forum „Vanguard News Network“ schreibt etwa ein Nutzer: „Wollen wir hoffen, dass deutsche Nationalisten hinter dem Anschlag auf den Verräter stecken. Das würde zeigen, dass unsere Kameraden auf dem richtigen Weg sind.“

Ein anderer Nutzer postet im „Thiazi-Forum“: „Ich frage mich nur immer wieder, wie sich denn manche hier eine Revolution und künftigen Umsturz vorstellen?!? Einerseits wird immer herumgeschrien und mit den bösesten T-Hemden auf der Straße herumgelaufen, andererseits aber sofort empört losgeschrien, wenn es dann wirklich mal einen Feind unseres Volkes trifft.“

Feind des Volkes? Der Politologe Armin Glatzmeier, der an der Universität Passau im Bereich Rechtsextremismus lehrt, sagt dazu: „Man sieht in der rechtsextremen Szene ein deutliches Gewaltpotential, das dem politischen Gegner das Menschsein aberkennt.“ Zum anderen werde durch die Kommentare im Netz deutlich, dass die Gewalttat von einem erheblichen Teil der Nutzer befürwortet wird. „Das grundsätzliche Gewaltpotential, das in den letzten Jahren eher latent war, ist also nach wie vor gegeben“, sagt der Wissenschaftler.

Ähnliche Beobachtungen schildert auch der Greifswalder Politikwissenschaftler Dierk Borstel. Er stellt auf rechtsextremen Internet-Seiten einen deutlichen Wandel im Tonfall fest. „In Foren werden Drohungen immer unverhohlener ausgesprochen“, sagt er. „Ich glaube man kann inzwischen von einer Gewaltkampagne gegen diejenigen reden, die auf die Rechtsextremisten die höchste Repression ausüben können, die Polizei. …

Link.

Ja, was sagen wir nun dazu?

Einerseits begrüssen wir es sehr, dass die SZ und ORF offensichtlich erkannt haben, dass in dem, was in Nazi-Foren wie „Thiazi“ gepostet wird, eine nicht zu unterschätzende Gefahr liegt und dass die braunen Netzwerke nicht nur in „Traudl’s Café“ (lol!) gestrickt werden, sondern auch im sogenannten „Weltnetz“. Vielleicht ist SZ und/oder ORF auch von uns auf diese Spur gebracht worden? Auf jeden Fall ist das zuerst mal positiv! Die braune www-Connection wird nicht mehr verdrängt, sondern wahrgenommen und ansatzweise aus der Deckung gelockt.

Andererseits, wenn man sich den Report auf ORF genau anschaut, dann hört sich das auf den ersten Blick fast an wie ein Antifa-Text (soll es natürlich auch), auf den zweiten Blick ist es aber eine Werbung für CSU-Obermotz Seehofer. Wofür steht und wofür wirbt aber Seehofer? Hören wir mal genau hin! O-Ton:

„… mit aller Härte und aller Konsequenz und mit grosser Entschlossenheit dieser neuen Dimension begegnen …“

Das ist nicht nur typische Nazi-Sprache („Härte“, „Konsequenz“, „Entschlossenheit“), dahinter steht eine kaum versteckte schwarz-braune politische Linie, die ausgerechnet mit dem Kampf gegen Rechts legitimiert wird. Was Seehofer will, genauso wie z.B. auch sein „Parteigenosse“ Schäuble und andere schwarz eingefärbten Nazis ist die Grundlage herstellen für mehr Repression (auch gegen Links, was sie natürlich jetzt nicht sagen), mehr Rechte für staatliche Schnüffler (Datenspeicherung, Bundestrojaner and so on …), also das ganze angebliche „Sicherheits“-Paket, von dem letztlich nur die Bonzen profitieren.

Vor so einem Hintergrund klingt auch der SZ-Artikel mit der ganz klar selektiven Auswahl von Sprüchen aus dem Nazi-Forum etwas seltsam (es wäre gelogen, wenn man behaupten würde, daß dort NUR billigste Hetze betrieben wird. Gerade ihre Raffiniertheit macht die Web-KameradInnen ja gefährlich!). Es wäre jetzt auch kein Super-GAU wenn man mal Nazis tendenziös zitiert (man die Kameratten ja auch umgekehrt, so what!). Es kommt aber schon auch a bisserl auf die ideologische Richtung an, der man damit selbst in die Hände arbeitet. Der „Greifswalder Politikwissenschaftler Dierk Borstel“ wird von der SZ zitiert mit u.a. dem Satz:

„Ich glaube man kann inzwischen von einer Gewaltkampagne gegen diejenigen reden, die auf die Rechtsextremisten die höchste Repression ausüben können, die Polizei.

Ok, ist ja schön und gut. Die Nazis üben Gewalt aus, das ist schlecht. Wissen wir alle. Aber auf wen ist (laut Borstel) die Gewalt gerichtet? Auf „diejenigen …, die auf die Rechtsextremisten die höchste Repression ausüben können, die Polizei“. Als schlecht wird also von der SZ und ihrem „Politikwissenschaftler“ nicht die Nazi-Gewalt als solche hingestellt (was nötig wäre!), sondern die Nazi-Gewalt, insofern sie gegen Polizeirepression gerichtet ist. Dass das alles in Wirklichkeit nicht so simpel ist, haben wir schon in dem anderen Artikel geschrieben. Die Nazis sympathisieren sehr wohl auch mit den Bullen. Und die Bullen, die jetzt mit ihren CSU-Kumpels als Opfer dastehen, haben kein Problem damit, mit „Härte“ und „Entschlossenheit“ nach dem Medien-Hype auch gerne wieder AntifaschistInnen „aus dem Verkehr zu ziehen“.

Der Trick ist durchschaubar: Geschlagen wird auf den ersten Blick das Hass-Objekt Nazi-Täter, weil es gerade cool ist, gegen Rechts zu sein. Getroffen wird von dem Schlag jede einzelne BürgerIn einer offenen Gesellschaft, der damit grundlegende Rechte entzogen werden. Es wird „hinten rum“ für mehr „anti-extremistische“ staatliche Repression geworben – und das unter dem Vorwand, damit „nur“ die Nazis zu bekämpfen. Wenn das nur so wäre …

Faschismus hört nicht bei der Mitgliederliste der NPD auf. Faschismus steckt genauso im Lodenmantel der Reaktion und unter der Bullen-Uniform!

Faschisten sind auch TÄTER wie Schäuble, Beckstein, Seehofer, der mit seinem eigenen Lebkuchenmesser (?!) angepiekste „Extremisten“-Bekämpfer Mannichl und auch alle anderen, die einen autoritären, antiemanzipatären Staat verteidigen, zu dessen Opfern dann Leute wie Oury Jalloh und Alex gehören!

Nieder mit dem Faschismus in allen seinen Tarnungen! Nazis demaskieren hier und überall!